Ankunft in Neuseeland und die dunkele Seite Neuseelands

29. November 2013 Allgemein | Neuseeland

Neuseeland und das baldige Ende meiner Jubeljahrreis

Trotz meines Jubeljahres  kann ich es nicht lassen die eine oder andere Mail zu lesen. Oft kam die Frage, ob ich im Dschungel von Neuseeland untergetaucht wäre. Dem ist nicht ganz so. Mein  Wunsch einen Kiwi im Urwald zu beobachten hat mich zwar tief in den verwunschenen Regenwald geführt, aber ich kannte die Zauberformel um wieder herauszufinden.
Zur Zeit bin ich noch in Neuseeland auf der Südinsel und genieße die weiten Strände, die Wärme, die Albatrosse und die schönen Nationalparke.
Meine  Abreise kommt langsam aber sicher näher: am 18.März geht mein Flug zurück nach Deutschland.

Ich möchte ein wenig an meinen letzten Rundbrief aus Kanada anknüpfen und erzählen, wie es mir in der letzten Zeit gegangen ist.
Als ich im November von Kanada nach Neuseeland flog brauchte ich einige Zeit um mich umzustellen.
Die klimatische Umstellung von -32°C trockene Kälte in Kanada zu +28°C tropische Wärme hat meinem Körper schwer zu schaffen gemacht. Ich brauchte fast 2 Wochen, um mich an das neue Klima zu gewöhnen, meine Seele und mein Lebensgefühl brauchten sogar etwas länger.

Die dunkle Seite Neuseelands

Kurz nach meiner Ankunft kaufte ich mir einen schicken sehr günstigen 28 Jahre alten Mercedes Benz und stürzte mich in ein neues Abenteuer: 4 Monate Neuseeland. Mein Plan war es die Nord- und Südinsel zu bereisen.
Gleich in den ersten Wochen begegneten meinem naturverbundenen Herz die dunkle und traurige  Seite Neuseelands. Ich brauchte eine ganze Weile um mir bewusst zu werden was mir so schwer zu schaffen macht und letztendlich wie ich damit umgehen kann.

Hier in Neuseeland ist es fast nicht möglich die Fahrstraßen zu verlassen.   Das Land ist überall eingezäunt und der Mensch ausgesperrt.  Es ist absolut schwierig zu einem See, Bachlauf oder Wald zu gelangen, geschweige denn mal querfeldein zu wandern. Ganz anders  im Yukon, wo das Land frei ist.

Dazu kommt, dass 75 Prozent aller ursprünglichen Wälder bis in die Bergspitzen abgeholzt wurden und in riesige Viehweiden oder Kiefern Monokulturplantagen umgewandelt wurden.  Durch die intensive und extreme Landnutzung sind alleine bei den Vögeln über 43 Vogelarten ausgestorben und viele stehen kurz davor.
Besonders auf der Nordinsel habe ich viele abgeholzte Wälder gesehen. Verwundert habe ich mich gefragt ob bei den Neuseeländern, die doch so für ihr grünes Image bekannt sind, noch nicht das Wissen über nachhaltige Waldwirtschaft angekommen ist.
Doch dann wurde ich aufgeklärt. Die schnell wachsende Kiefer ist der Garant  für das große und schnelle  Geld. In Reih und Glied werden die Monokulturen angepflanzt. Alles was nicht dazu gehört wird totgespritzt.
Durch das milde Neuseeländische Klima hat eine Kiefer hier jedes Jahr ein Dickenzuwachs von bis zu 6 cm pro Jahr. Bei uns in Deutschland ist es weniger als die Hälfte.
Mit  ca. 25 Jahren sind die Bäume „erntereif“. Riesige Flächen werden kahlgeschlagen. Kilometerweise abgezogene und offene Erde. Ökologisches Desaster für alles was dort gelebt hat. Obendrein spült der Regen die fruchtbare Erde weg und lässt ganze Hänge abrutschen.  Nach einigen „Waldernten“ ist das Land ausgehungert, verödet. Danach wächst nur noch eine Art Steppengras, das als Schafweide genutzt wird.

Die Tierseite ist ebenso katastrophal. Ich kenne kein Land, das so viele Wildtiere importiert und freigelassen hat wie Neuseeland. Als ich das erste Mal in einen Park ging um neuseeländische Vögel zu beobachten begegneten mir fast ausschließlich Vogelarten aus Europa. Haussperling, Star, Amsel, Heckenbraunelle, Goldammer und Singdrossel. Die einzige einheimische Vogelart, die auch als erstes den weitgereisten Seefahrern begegnete, war die „Welcome Swallow“, eine Schwalbe.

Ursprünglich gab es auf Neuseeland keine Säugetiere, nur Vögel.
Die ausgesetzten Tiere wie das australische Possum (es sollen 70 Millionen auf der Insel Leben), Ratten, Marder, Katzen, Hunde, Hirsche, Schweine, Kaninchen, ja die Liste ist sehr lang, machen den ursprünglichen Tieren und Pflanzen schwer zu schaffen. Viele Wälder sind gespenstisch still. Ein Überleben ist für die meisten einheimische Vogelarten nur noch auf säugetierfreien Inseln möglich.
Die Antwort der Neuseeländer auf die „Pesttiere“, wie sie sagen, ist Gift und Fallen. Im Abel Tasman Nationalpark gipfelt der Kampf. Dort wurden per Hubschrauber  tonnenweise vergiftetes Futter für Hirsche, Schweine, Possums, Ratten, Marder ……. aus der Luft abgeworfen.  Die Tragweite des Gifteinsatzes ist für Tier, Mensch, Boden und Wasser nicht abzusehen, zumal das Gift in anderen Ländern verboten ist. Ironischerweise wird dann doch davor gewarnt aus dem Gebiet für eine Zeitlang kein Wasser zu trinken, Früchte zu sammeln, keine gejagte Tiere zu essen und auf Kinder aufzupassen, dass sie nicht mit den Köder in Kontakt kommen.

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