Von Feen und Zwergen

8. November 2013 Allgemein | Kanada | Vogelsprache-Bibliothek
Rufous Kolibri in Kanada

Rufous Kolibri in Kanada

Ein Traum ist wahr geworden: ich habe eine kleine Fee, einen Kolibri geschenkt bekommen!
Mein Freund Dan fand ihn kurz vor Alaska in einem Gebäude. Der arme Kerl ist durch ein gekipptes Fenster reingekommen und hat nicht wieder rausgefunden. Kolibris haben einen enormen Energieumsatz, sie trinken meist Nektar, Blütensaft, hochprozentiges Futter essen aber auch kleine Insekten. Wenn sie nicht innerhalb kurzer Zeit etwas zu fressen bekommen und dazu noch in enormen Stress ausgesetzt sind, sterben sie schnell. Das ist dem kleinen Kerl passiert.
Alaska und Kolibris: wie geht das zusammen? Es gibt eine Kolibriart, die tatsächlich bis hoch nach Alaska wandert und dort auch brütet. Es ist jedes Jahr ein kleines Wunder, wenn im April nach langem und dunklem Winter endlich die Kolibris kommen. Diese kleinen schnellen und glitzernden Feen besuchen dann die mit speziellen Zuckersaft befüllten Futterstellen. Hier kann man dann diese kleinen Wesen in Ruhe bestaunen und bewundern!

Im Yukon habe ich auch schon ein paar Kolibris gesehen. Sie mögen rote Farben, die anscheinend wie ihre Lieblingsblüten aussehen. Einmal habe ich mir ein rotes T-Shirt angezogen und wunderte mich warum es neben mir brummte. Einen halben Meter neben mir stand wie angenagelt und schwirrend ein kleiner Vogel in der Luft.  Sichtlich erstaunt, was ich für eine komische große Blüte sei, flog, oder vielmehr beamte er sich von links nach rechts. Wie als ob sicher zu gehen wollen, dass ich keine Blüte bin, flog er einmal um mich herum und verschwand wieder im Busch. Was für ein genialer Auftritt!

Rufous Kolibri in Kanada

Rufous Kolibri in Kanada

Jetzt wo ich ihn in meiner Hand halte, kann ich es kaum fassen wie winzig und leicht dieser Zwerg ist. Er ist einer der kleinsten und leichtesten Vögel der Welt. Er bringt gerade mal 2-3 Gramm auf die Waage und ist 7 cm groß, wobei der Schnabel schon allein 1,5 cm lang ist. Ein wahrer Winzling. Alles an ihm ist so klein. Die Füße muss ich erst unter den Bauchfedern suchen und seine Flügel sind so groß wie bei einem Nachtfalter. Wenn er fliegt, dann schillert sein grünes und rotes Gefieder wie Edelsteine in der Luft. Seine Flügelschlaggeschwindigkeit ist unter den Vögeln einfach unschlagbar. Im Schwirrflug bringt er es auf sagenhafte 40 Flügelschläge pro Sekunde. Entdeckt er ein hübsches Girl, dann legt er erst richtig los. Mit akrobatischen Flugmanövern bringt er es dann auf 80 Flügelschläge pro Sekunde! Das ist auch der Grund, warum man Kolibris meist zuerst hört, der tiefe Schwirrton ihrer Flügel verrät sie. Im Tierreich werden sie nur von den Insekten getoppt. Eine Mücke bringt es bis auf 280 Flügelschläge pro Sekunde. Daher kommt ihr gemeiner „Blutsauger Angriffston“.
Und noch eine absolute Besonderheit dieser Zwerge: jedes Jahr wandern die nördlichsten Ihrer Art von Süd Alaska 2000km bis runter nach Mexiko. Hin und zurück sind das mindestens  4000 Km. Manche von ihnen wandern von der Spitze Floridas über den Golf von Mexico nach Mittelamerika. Jetzt kommt es: wenn sie starten haben sie sich einen fetten Ranzen angefressen. Sie wiegen dann nicht mehr wie üblich 2-3 Gramm sondern jetzt 6-8 Gramm. Mit ca. 4 Gramm Sprit fliegen sie mehr oder weniger 800 km nonstop über die offene See!
Das nennt man mutig und Spritsparend!

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