Yukon ist Bärenland

4. Januar 2014 Allgemein | Kanada
Grizzly Spuren im Yukon

Grizzly Spuren im Yukon

Als ich vor 14 Jahren das erste Mal nach Kanada kam und eine Kanutour auf dem Big Salmon machte sagte ich mir: ich werde nirgendwo zelten, wo Bärenspuren sind! Meine Aussage konnte ich leider nicht halten. Denn der Yukon ist Bärenland. Hier wohnen ca. 10.000 Schwarz- und ca. 6.000 Grizzlybären. Als wir unsere Sinne wachgerüttelt hatten fanden wir überall Bärenspuren. Fußabdrücke am Ufer, angefressene Lachse, Kot, Kratz- und Kletterspuren an den Bäumen, sogar an ihren Schubber- und Markierungsbäumen fanden wir feine unscheinbare Haare.
Uns Europäer fällt es nicht leicht, ja es macht uns Angst hier in Kanada mit Bären, Wölfe und Puma plötzlich den Lebensraum teilen zu müssen. In Europa haben wir Menschen die großen Beutegreifer fast ausgerottet und vergessen, wie man sich in wilden Wäldern bewegt und angemessen gegenüber diesen Tieren verhält.
Die Indianer, oder Native wie sie sich hier selber nennen, leben hier schon seit Tausenden von Jahren mit Bären, Wolf & Co

Braunbär in Alaska beim Lachsfische

Braunbär in Alaska beim Lachsfische

zusammen und haben es gelernt respektvoll mit ihne zu leben. Sie haben viele berührende Geschichten und Lieder, die beschreiben wie man miteinander leben und lernen kann.

Drei Bärengeschickten

Es war vor ein paar Jahren, als mein Freund Dan und ich nach Hause kamen. Als wir das Gartentor öffnen wollten fährt ein Polizeiwagen vor. Ich denke mir noch, was wir wohl angestellt haben könnten, da geht schon die Scheibe runter. Der Polizist sagt: Hy Leute, passt ein wenig auf, vor einigen Minuten haben wir einen Schwarzbär

Schwarzbar im Frühjahr an der Straße

Schwarzbar im Frühjahr an der Straße nach Skagway

auf der Straße gesehen. Dan sagte nur danke und schon fuhr die Polizei weiter. Ich bin irritiert und frage Dan was wir denn jetzt machen. Er meinte nur wir passen auf, gehen rein und essen was. Das war alles!
Die 70 Jährige Nachbarin erzählte mir eine nette Bärengeschichte. Als sie draußen im Garten die Tür von ihrem Plumpsklo öffnet, steht da plötzlich ein dicker Grizzly und frisst ihre Blumen. So einfach ins Haus gehen ging nicht, sagte sie, da stand der Bär im Wege. Da habe ich ihm laut zugerufen: Hy Bär, go Home, go Home! Ich musste lachen, weil der Bär ja hier zu Hause ist.
Das habe ich ihm mehrmals laut zugerufen bis er sich langsam bewegte, sagte sie, und dann bin ich ab ins Haus. Neugierig habe ich sie gefragt was sie dann gemacht habe. Ich vermutete sie würde sofort die Polizei oder die Ranger anrufen. Aber nichts von dem. Sie ist reingegangen und hat ihren Fotoapparat geholt und wollte ihn fotografieren. Als ich aber rauskam, sagte sie, war er schon weg, alles was ich von ihm noch sehen konnte, war sein wackelnder Hintern auf der Straße. Das wilde Land beginnt hier direkt hinter dem Haus.

Dieser junge Schwarzbär wurde von einem Hund auf einem Baum gescheucht. Brummelnd schaute er zu uns runter.

Dieser junge Schwarzbär wurde von einem Hund auf einem Baum gescheucht. Brummelnd schaute er zu uns runter. Foto: D.Patterson

 

Und noch eine witzige Bärengeschichte: ein Bekannter von mir ging mit seinem Hund auf eine Wandertour. Clevere Hunde sind gute Bärenanzeiger und halten Meister Petz für gewöhnlich mit ihrem Gekläffe schön auf Distanz. Dieser Hund war nicht ganz so Clever. Aber der Reihe nach. Er war also mit seinem Hund unterwegs als er plötzlich anfing zu knurren. Erl wusste, wenn er so knurrt ist was „Dickes“ im Busch. Bei drei war der Hund auch schon los und mit lautem Gekläffe suchte er den Unbekannten. Das Gekläffe verschwand in der Ferne. Nach einiger Zeit wurde es aber wieder lauter, der Hund kam also wieder zurück. Seine Stimme war aber immer noch verdächtig aufgeregt. Die Lösung des Rätsels kam ihm auch schon auf dem Pfad entgegengerannt. Ein schöner Schwarzbär lief im vollen Galopp auf ihn zu und hinter ihm dicht auf den Fersen sein Bewacherhund. Keine schöne Situation. Was hat er gemacht? Den nächstbesten Baum den er fand, ist er förmlich hinaufgeflogen. Und was machte der Bär? Er klettert ihm doch tatsächlich hinter her! Nicht um sich den Mann zu packen, nein, er suchte Schutz vor dem Hund. Da saßen nun beide im Baum und wussten nicht so recht was ihnen geschah. Es dauerte eine ziemliche Weile bis Erl seinen Hund davon überzeugen konnte still zu sein und unter dem Baum

Ein schöner dicker zimtfarbender Schwarzbär.

Ein schöner dicker zimtfarbender Schwarzbär.

So masiert und kratzt sich ein Schwarzbär seinen Rücken. Foto: D.Patterson

So masiert und kratzt sich ein Schwarzbär seinen Rücken. Foto: D.Patterson

endlich zu verschwinden. Schließlich kletterte erst der Schwarzbär und dann Erl wieder runter. Alle waren sie wieder zufrieden.
Natürlich gibt es auch andere Geschichten, die nicht so glimpflich ausgehen. Die Unfälle, die hier mit Bären passieren, sind zu 98 % menschlich verschuldet. Tödliche Unfälle sind zum Glück selten. Meist kommt es zu Konflikten wenn der Mensch essbare Abfälle rumliegenlässt oder kein gebürender Abstand zu den Bären einhällt. Das Traurige an der Geschichte ist das die Bären oft mit ihrem Leben dafür zahlen müssen. Leider werden die Konfliktgründe von der Menschenseite nicht abgestellt. Wer im wilden Land und damit im Wohnzimmer der großen Jäger unterwegs ist sollte ihre Verhaltensweisen verstehen lernen und sich ihnen gegenüber Respektvoll verhalten.
Wie sagte mir neulich ein Yukoner und erfahrener Buschflieger: manchmal geht es nicht alle Fehler selbst zu machen, wer im Busch leben will, sollte von den Fehlern der anderen lernen.

Bären lieben Löwenzahn. Zu ca.80% sind Schwarzbären Pflanzenfresser

Bären lieben Löwenzahn. Zu ca.80% sind Schwarzbären Pflanzenfresser Foto:D.Patterson

Eine Braunbärin mit Jungem beim Lachsfischenn.

Eine Braunbärin mit Jungem beim Lachsfischenn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bären beobachten, Bären verstehen

Diesen Sommer hatte ich viel Zeit mir wilde Geschichten anzuhören und selbst loszuziehen um Bären zu beobachten und ihre Verhaltensweisen zu studieren. Im Frühjahr Mitte Mai wenn Schnee und Eis schmelzen und die ersten Pflanzen hervorkommen ist die beste Zeit Bären zu beobachten. Gerade aus ihrem Winterschlaf erwacht, kommen sie gerne zu den Hängen der Straßen und fressen dort die in Massen wachsenden Löwenzähne. Morgens früh um 6.00 h habe ich mir meine Kamera geschnappt und bin mit dem Auto die Straßen entlang gefahren. Dabei konnte ich nicht nur aus nächster Nähe Bären sondern auch Elche, Bergschafe, Stachelschweine, Hirsche und andere wunderbare Tiere beobachten. Dadurch, dass ich viel beobachtet habe und dank meinem erfahrenen Freund Dan, mit dem ich viele Buschtouren unternommen habe und er mit mir sein Wissen und Erfahrungen geteilt hat, hat sich in mir einiges verändert. Ich kann nicht genau beschreiben was, aber meine Selbstsicherheit im Busch ist gewachsen und meine blutrünstigen Phantasien über Bären sind verschwunden. Meine Achtung vor den Tieren, die in dieser wilden Landschaft, Sommer wie Winter, überleben können, ist riesig!

 

Diese Aufnahme von einem Schwarzbären stammt von Dan Paterson. Die Färbung der Schwarzbären variiert von dunkel blau schwarz über braun bis zimtfarben. Im Allgemeinen sind Schwarzbären kleiner als Grizzlybären und haben keinen „Buckel“. Das heißt der Hintern ist beim Schwarzbären höher oder gleichhoch wie die Schulter.

Dieses Videoaufnehmen von einem Grizzly stammt ebenfalls von Dan Paterson . Weil er an einigen stellen fast weiß war nannten ihn die Einheimischen „Spirit Bear“. Grizzlybären gehören zu der Gruppe der Braunbären. Somit ist er Verwandt mit unserem Europäischen Braunbär. Grizzly’s leben hier in Kanada mehr im Inland und in den Bergen, Braunbären dagegen mehr Küstennah. Grizzlybären wie auch Braunbären haben einen „Buckel“. Somit ist die Schulter der höchste Punkt.

Auf diesem Video ist ein Braunbär aus Alaska/Haines zu sehen und kein Grizzly wie ich fälschlicher Weise im Film erzähle. Braunbären sind größer als Grizzlybären und können bis zu 700 kg wiegen. So schwer wie eine Kuh! Das Durchschnittsgewicht liegt jedoch bei ca. 300 kg. Immer noch genug. Wenn in Haines die Lachse wandern sind die Bären auch nicht weit. Diesen Kollegen konnte ich im Straßengraben beobachten wie er friedlich Löwenzahn fraß.

 

 

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

  • Reisen

  • Vogelsprache-Bibliothek

  • Archiv