Unsere Vater-Tochter Wildnisreise

27. September 2013 Kanada
Fahrt durch die Kanadischen Rocky Mountains

Fahrt durch die Kanadischen Rocky Mountains

Ich habe mich riesig gefreut, als mir meine Tochter sagte: „Papa, wenn Du das Jahr nach Kanada gehst, komme ich Dich besuchen!“ Ich konnte es kaum glauben.
Am 4.August war es dann soweit: die Condor landete in Whitehorse und wie von Zauberhand, stand meine älteste Tochter Merle (23 Jahre) vor mir! Was für eine Freude. Ab jetzt werden wir beide zwei wunderbare Wochen in der weiten Wildnis von Kanada und Alaska haben! Auf Merles Wunschliste stand ganz oben: Lachse angeln und Bären beobachten. Der beste Ort, an dem beides zusammen möglich ist, ist Alaska.

Schneefeld in der Stille

Schneefeld in der Stille

Direkt am zweiten Tag packten wir unsere Outdoorsachen und machten uns mit Dan´s Auto auf eine wunderschöne Rundreise durch Kanada und Alaska. Hauptziel war Hains – Alaska, wo ich vor vier Wochen schon mal zusammen mit Dan Lachsfischen war. Leider ohne Erfolg. Dafür konnten wir aber einen wunderschönen Braunbären und einige Weißkopfseeadler beim Lachsfischen beobachten. Von verschiedener Seite hörte ich, dass gerade jetzt die Lachse mächtig wandern. Also nichts wie hin nach Hains. Von Carcross-Yukon fuhren wir ca. 3 Stunden durch die traumhaften Endausläufer der Rocky

Wir hatten großes Glück: Ein Schwarzbär zeigte sich an der StraßeSchwarzbär

Wir hatten großes Glück: Ein Schwarzbär zeigte sich an der StraßeSchwarzbär

Mountains über die Berge nach Skagway an die Küste von Alaska. Schon auf der Hinfahrt sah Merle ihren zweiten Schwarzbär am Straßenrand. Skagway ist ein kleines auf Goldrausch und Tourismus  getrimmtes Örtchen. Wie in einem alten Westenfilm stehen hier die Holzhäuser dicht gedrängt und wenn man auf den überdachten hölzernen Gehweg hallende Schritte hört, denkt man gleich kommt  Jesse James oder Wyatt Earb um die Ecke. In den Läden findet man allerdings keine alltäglichen Gebrauchsgegenstände mehr, sondern sie sind bis unter die Decke gefüllt mit den abstrusen Touristensouvenirs. Skagway ist eine einzige große Touristenfalle!

Inside Passage Alaska

Inside Passage Alaska. Heimat der Wale

Ralph Müller mit seiner Tochter Merle

Ralph Müller mit seiner Tochter Merle

Wenn man das weiß schaut man mal kurz rein und geht zu wichtigeren Dingen über. Lachse, Bären, Adler und wie sich später herausstellte auch Buckelwale. Selbst Buckelwale versammeln sich in Gruppen vor den Flussmündungen und jagen die in die Flüsse einwandernde Lachse. Wir haben Bilder gesehen, wie eine Gruppe von Buckelwalen einen Lachsschwarm unter Wasser einkreist, mit aufsteigenden Luftblasen zusammenhält und der Wasseroberfläche zutreibt. Kurz bevor die Lachse die Oberfläche erreichen, stoßen die Giganten zu. Mit großer Geschwindigkeit kommen sie aus der Tiefe angebraust, öffnen ihr riesiges Maul, packen die Lachse und springen dabei mehrere Meter aus dem Wasser. 10 Tonnen können dann plötzlich fliegen. Diesen dramatischen Flugakt konnten wir leider nicht beobachten, dafür aber das in der Ferne hochsprühende Atemwasser.

Lachswanderung in Alaska: 10.000 sende ziehen zurück zu ihrem Geburtsort

Lachswanderung in Alaska: 10.000 sende ziehen zurück zu ihrem Geburtsort

Merle berührt wandernde Lachse

Merle berührt wandernde Lachse

Überall in der Umgebung von Skagway wanderten die Lachse. Genaugenommen 3 Arten. Sockey, Pink- und der bis zu 1,20m große Kingsalmon. Tausende von Lachse standen in den Flüssen und kleineren Bächen, balzten und laichten ab. Manche von ihnen lagen, nachdem sie abgelaicht hatten, tot am Ufer. Was für ein gigantisches Schauspiel!
Merle konnte sogar auf einer kleinen Brücke die wandernden Lachse im Wasser streicheln.
Von Skagway ging es mit einer Fähre nach Hains/Alaska. 1 Stunde, vorbei an Gletschern und Fjorden, durch die traumhafte Inside Passage. In Haines war ebenfalls die Lachswanderung voll im Gange. An der Kontrollstelle im Fluss wurden seit Beginn der Wanderung Anfang Juni bis jetzt 43.000 Sockey Lachse gezählt! Wobei ca. 40.000 Tiere in den letzten 4 Wochen gezogen sind. Der Flussabschnitt hier in Hains ist etwas ganz Besonderes: Adler, Braunbär und Mensch, ja selbst die Robben kommen aus dem Meer den Fluss hochgeschwommen um Lachse zu jagen. Es ist schon ganz schön kribbelich am Fluss zu stehen, die Angel in der Hand, und mit der Aufmerksamkeit nicht nur beim Angeln zu sein,

Merle in Alaska beim Lachsangeln

Merle in Alaska beim Lachsangeln

Merle in Alaska beim Lachsangeln

Braunbärin mit ihrem Jungem. Beim Angeln mussten wir zwei mal den Bären ausweichen

sondern auch bei den Braunbären. In den drei Tagen sahen wir immer wieder einen einzelnen Bär und eine Bärin mit ihrem Jungen, dem wir zweimal ausweichen mussten. Das ganze lief ungefähr so ab: Wir stehen am Fluss und angeln. Plötzlich ein Ruf: Bär!! Wir schauen uns um und sehen 50m entfernt eine Bärin mit einem Jungen auf uns zu zukommen. Der helle Wahnsinn, das Herz schlägt bis zum Hals. Kurz die Lage checken, sie ist entspannt. Die Zeit reicht gerade noch um das Angelzeug mitzunehmen und einen ruhigen und zügigen Rückzug  zum Auto anzutreten. Kaum saßen wir im Auto da zog die Bärin keine 20m an uns vorbei. Das war schon ziemlich aufregend!

Mein erster selbsgefangene Lachs

Mein erster selbsgefangene Lachs

Das gute ist, dass Mensch und Bär doch recht gut miteinander auskommen. Die Bären haben kein Interesse an den Menschen, sie wollen sich nur an den Lachsen fettfressen um gut durch den Winter zu kommen. Die Menschen wollen ebenfalls keine Konfrontation. Überall wo Bären auftauchen geht man ihnen ruhig und zügig aus dem Weg. Essen darf man absolut nicht rumliegen lassen, geschweige denn einen Bären füttern (kommt leider immer wieder von uneinsichtigen Touristen vor). Bären, die auf der Suche nach menschlichem Futter sind können gefährlich werden. Zudringliche Bären versucht man entweder einzufangen und an weit entfernten Orten wieder auszusetzen oder sie werden leider geschossen. Das größte Problem sind allerdings die Menschen die die Grenzen der Bären nicht respektiert und sie aus nächster Nähe fotografieren wollen. Damit die Bären in Ruhe fischen und sich bewegen können hat man entlang des Flusses eine Ruhezone eingerichtet. Wir hatten großes Glück. Merle und ich fingen unseren ersten Lachs im Bärenland!
Ein paar Stunden später landete er auch schon in unserer Pfanne. Lachs schmausend und am warmen Lagerfeuer sitzend, erzählten wir uns die spannenden Details über die Bärenbegegnungen und die zappelnden Lachse, die wir gefangen hatten.

Lagergerfeuer Romantik mit meiner Tochter Merle in Kanada

Lagergerfeuer Romantik mit meiner Tochter Merle in Kanada

Ein absoluter Traum, das mit meiner Tochter Merle erleben zu können!

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