Sommersonnwende und Visionssuche

4. Januar 2014 Kanada
Totempols der Tligith Indianer. Ehrung der Ahnen, Dank an die Wesenheiten und Schöpfungsmythos in einem

Totempols der Tligith Indianer. Ehrung der Ahnen, Dank an die Wesenheiten und Schöpfungsmythos in einem

Die Sommersonnwende hat hier oben im Norden von Kanada und Alaska eine ganz besondere Bedeutung: nach langen 8 Wintermonaten, der erste Schnee fällt hier Anfang Oktober und erst Ende Mai gibt das Eis die Seen und Flüsse wieder frei, ist es endlich soweit. Die Sonne hat ihre hohe Kraft. Es ist der Tag, an dem die Sonne am längsten scheint und die Nacht am kürzesten ist.
Hier im Yukon, etwas südlich des Polarkreises bedeutet das, dass es nicht richtig dunkel wird. Sobald die Sonne spät in der Nacht untergegangen ist, dämmert es für ein paar Stunden und schon wird es wieder hell. Im Winter ist es genau umgekehrt. Die Sonne scheint, wenn überhaupt sichtbar, nur für ein paar Stunden, ansonsten ist es dämmrig. Die Menschen freuen sich, es ist endlich Sommer! Das Licht hat Kraft und gibt wieder Wärme und Hoffnung.
Überall im Land wurde die Sommersonnwende gefeiert. Hier im Carcross luden die First Nation People (so nennen sich die Indianer hier) um 4.00h morgens zu einer Sonnenaufgangs- Zeremonie ein. Lagerfeuer, Räuchern, Gebete, traditionelle Gesänge und Tänze. Zum Abschluss gab es einen witzigen Bannock ( indianisches Brot)- Backwettbewerb mit Preisverleihung. Die angebrannten Bannocks brachten natürlich die meisten Lacher und wurden dementsprechend besonders geehrt. Bei Bannock und Lagerfeuer poppten überall lustige Geschichten über verrückte Jagden, Pleiten, Pech und Pannen im Busch sowie angebrannte Bannocks und fliegende Pfannen.

Visionssuche

Sonnenaufgangs- Zeremonie zur Sommersonnwende. Eröffnungstanz der Tlingith Indianer in Carcross / Yukon

Sonnenaufgangs- Zeremonie zur Sommersonnwende. Eröffnungstanz der Tlingith Indianer in Carcross / Yukon

Die Sommersonnwende- Zeremonie war für mich eine starke Einstimmung auf meine Visionssuche. Am nächsten Morgen ging es ab in den Busch. Vier Tage und Nächte, fastend und soweit wie möglich ohne Wasser.Mein Wunsch war es, hier in Kanada einerseits der äußeren Wildnis, gigantische Weiten, Flüssen, Seen Bären, Lachse, Adler, Elche…. zu begegnen aber auch meiner inneren Wildnis nachzuspüren. Die Dinge in meinem Leben zu integrieren, die mir bis jetzt begegnet sind.

Ich hatte das große Glück, daß Shirley, eine Freundin und Vuntut Gwitschin Indianerin und Erl, ein Träumer (so nennt er sich, da er intensive Träume hat) mir einen ganz besonderen Platz

Traditionelle Gesänge und Tänze um die Ahnen zu Ehren und um den Menschen, Tieren und Wesenheiten zu Dankenden

Traditionelle Gesänge und Tänze um die Ahnen zu Ehren und um den Menschen, Tieren und Wesenheiten zu Dankenden

vorschlugen: ein uralter Versammlungsplatz der Tlingit-Indianer. Hier kamen die Indianer oder First Nation, wie sie sich nennen, aus Alaska und Kanada zusammen um Neuigkeiten auszutauschen, Feste und Zeremonien zu feiern, um mit den Küstenstämmen Handel zu treiben und um nach gemeinschaftlichen Jagden Elchfleisch und Lachse zu trocknen. Ein alter und starker Platz. Auf diesem Platz gibt es ein großes Medizinrad. Ein Kreis, ca. 12 m im Durchmesser, mit einem Kreuz, das die Himmelsrichtungen markiert. Jeder der hierher zum Beten kommt bringt einen Stein mit und legt ihn an den Kreis oder Kreuz. Hier lagen hunderte von kleinen und großen Steinen.
In diesem heiligen Kreis durfte ich 4 Tage sein und meinen Träumen und Spuren nachgehen. Shirley und Erl baten die Ahnen und die Kräfte des Orts mich zu schützen und mich auf meinem Weg zu begleiten.
Der Yukon ist nicht nur ein Bären- sondern auch an ganz besonderen Stellen ein Mückenland. Die Mücken, die Hitze und 2 Tage ohne Wasser haben mich gekocht und gefordert, mehr als die Gedanken an Bären, die mich besuchen könnten.
Es ist sehr schwer, aber auch nicht ratsam hier von den Schätzen zu erzählen, denen ich begegnet bin. Einerseits sind sie sehr persönlich, anderseits aber noch zu fein und neu als dass sie schon erzählt werden könnten. Manche Erlebnisse brauchen Zeit um ihre Kraft entwickeln zu können.

Kanada: Gigantische Weite, sauberes Trinkwasser und ein reichtum an Tieren und Pflanzen

Kanada: Gigantische Weite, sauberes Trinkwasser und ein reichtum an Tieren und Pflanzen.

Was ich gerne erzählen möchte ist, dass mir das Wasser in seinen vielfältigen Formen im Wachen wie im Träumen begegnet ist. Das Wasser in den Wolken, die Regentropfen auf meinem Zelt, mein Schweiß, mein Blut im Moskito, die Vorstellungen von riesigen kühlen trinkbaren Seen in denen sich die Fische tummeln, das Wasser in jedem Lebewesen und überall, Jahrtausende alte Gletscher und die bedrohliche Wasserarmut auf meiner Zunge.
Mir kam wieder die Scene vor Augen, als ich vor ein paar Tagen getrampt bin. Der Fahrer erzählte mir von seiner Afrikareise und dass er sich in der Steppe mit einem Afrikaner unterhalten habe. Der Afrikaner fragte ihn, wo er denn herkomme und der Yukoner erzählte ihm von seinem Land. Er erzählte von vielen großen Seen mit Trinkwasser und wenn er wolle könnte er jeden Tag Fisch essen. Der Afrikaner staunte nur und meinte, dass die Yukoner ein sehr reiches Volk sein müssten. Recht hat er. Die ganze Zeit ging mir durch den Kopf : Wasser ist Leben, Wasser ist Leben und verbindet uns mit allen Lebewesen. Wasser ist so kostbar, wir müssen es schützen und hüten, damit wir leben können.

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