Mein Weg zur Greifvogel Pflegestaion

22. Mai 2014 Beobachtungen | Vogelsprache-Bibliothek

 

Kerstin mit Uhu

Kerstin mit Uhu

Mit diesem diesem Bericht möchte Kerstin Wägner dir Mut machen deinen Fragen nachzugehen und dich damit auf einen wunderbaren und spannenden Weg zu begeben.

Im April 2011 fand ich im Basiskurs der Wildnispädagogik Ausbildung mein erstes Gewölle. Ich kann mich noch genau erinnern, unter welcher Fichte es lag.
Die Erforschung, von wem wohl dieses Gewölle stammte und was darin verborgen war – was war das spannend, aufregend und lehrreich!
Kleinste Knöchelchen von Kleinsäugern, der Unterkiefer einer Waldspitzmaus, ein Singvogelknochen fand ich darin.

Doch wie traurig war ich, wenn ich es einfach nicht schaffte mir diese wunderbaren Vogelstimmen zu merken. Mit Geduld und Vertrauen schaffte ich es immer ein kleines Stück mehr.
Vogelbücher, Vogelstimmen-CD`s und ein gutes Fernglas wurden meine Begleiter.

Das “Vogelfieber” erfasste mich ganz und gar. Auf dem Balkon baute ich eine Futterstelle und bald schon brüteten die ersten Kohlmeisen im Vogelhaus.

Beim Gleitschirmfliegen sind es immer besonders magische Momente, mit den verschiedensten Greifvögeln, letztes Jahr sogar mit einem Adler in der Thermik zu kreisen. Die Geschenke der Vögel sind intensiv und reich, sie wärmen mein Herz und meine Seele, sie veränderten und verändern mich, lassen mich wachsen. Es ist das Beste, was mir je passiert ist.

Die Frage, die ich mir bald schon stellte hieß:
Was kann ich für meine Freunde, die Vögel tun?

Glück im Unglück. Zwei 7 und 9 Tage alte Uhus die bei Sprengarbeiten fast ums Leben gekommen wären

Glück im Unglück. Zwei 7 und 9 Tage alte Uhus die bei Sprengarbeiten fast ums Leben gekommen wären

Beim Landesbund für Vogelschutz in meinem Kreis gibt es eine Eulengruppe, wie ich hörte. Ich meldete mich sofort und gemeinsam bauten wir zahlreiche Nistkästen für Waldkäuze und Raufußkäuze. Das war alles. Doch ich wollte lernen, viel lernen und helfen.
Durch einen Zufall (und Zufall ist Illusion) erfuhr ich von einer Auffangstation für Greifvögel und Eulen in meiner Nähe. Ich besuchte die Station und bekam eine total nette Führung von Herr A., dem Leiter der Station. Die Leidenschaft mit der Herr A. seine gesamte Freizeit für die Pflege kranker, verletzter und verwaister Greifvögel und Eulen aufbringt, und das seit 30 Jahren, beeindruckte mich sehr.

Uhus_14_und_16_Tage

Uhus_14_und_16_Tage

Das hier wäre ein Platz zum Helfen und Lernen. Sofort bot ich meine Hilfe an zum Putzen oder für Transportfahrten – eben das, was ich so tun könnte anfangs. Herr A. zeigte sich erfreut, doch hörte ich monatelang nichts von ihm, auch keine Reaktionen auf meine Anrufe…

Mein Wildnismentor Dirk Schröder machte mir Mut, indem er sagte, dass es manchmal wichtig ist, hartnäckig zu bleiben. Daraufhin fuhr ich direkt zur Station und bat Herr A. um Unterstützung.
“Ich brauche keinen Falknerschein, aber ich möchte alles lernen und das von ihnen.”

Mehrere Monate bin ich “gecheckt” worden, ob ich es auch wirklich ernst meine und dran bleibe. Dann hat Alfred mir das Du angeboten. Darauf bin ich sehr stolz!
Seit einem halben Jahr darf ich lernen, mit Alfred Vögel trainieren, die zur Auswilderung fit gemacht werden. Und das ohne Illusion von heiler Welt. Natürlich ist es wundervoll, einmal junge Uhus in den Händen zu halten oder sie zu füttern, mit einem Steppenadler Faustappell zu machen oder mit dem Federspiel Falken zu trainieren. Doch es ist auch traurig und ernüchternd, wenn es der eine oder andere Vogel nicht schafft und schwer verletzt eingeschläfert werden muss.

Einen Großteil der Zeit verbringt man in der Station mit dem Sauberhalten der Volieren, dem Zerkleinern von Eintagsküken für die Fütterung (auch das habe ich getan) und viel auf der Straße, verletzte Tiere abholen, Tierarztfahrten – alles ehrenamtlich!
Für mich eine sinnvolle Zeit! Wer hätte das vor 3 Jahren gedacht? Ich jedenfalls nicht.

Danksagung

Alfred_mit _flügelverletzter_Habichtsdame

Alfred mt flügelverletzter Habichtsdame

Ich danke besonders und von ganzem Herzen Ralph Müller, der mich u.a. mit dem Perlhuhn auf den Weg gebracht hat – Du weißt, was ich meine Ralph;-)!
Dirk, lieben Dank für Deine stets offenen Ohren und die klaren Worte!
Alfred an Dich ein großes Dankeschön für Deine liebevolle Art und Deine so herzliche Unterstützung!

Und natürlich an dieser Stelle ein Dank an meine Freunde, die Vögel in tiefer Verbundenheit.

Kerstin Wägner

Mai 2014

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