Wie ich Federn vor Mottfraß schütze

20. März 2013 Federn lesen
Waldkauz

Räucherfächer
Waldkauzfedern mit Medizinrad der Tlingitindianer Nordwest Kanadas

Wer in der Natur unterwegs ist, begegnet zwangsläufig Federn. Leise winken sie im Wind, leuchten mit ihren schönen Mustern oder rufen uns mit ihrer feinen Ausstrahlung. Die schönsten von ihnen nehmen wir mit und erfreuen uns an ihnen.
Naturvölker und Heiler kennen die Kraft der Federn. Sie befestigen die Federn an ihren liebsten Gegenständen, fügen sie zu Federfächern zusammen, um zu räuchern oder zu heilen oder tragen prachtvolle Federhauben wie die Häuptlinge. Sie alle verbinden sich über die Feder mit den Kräften des Vogelvolks und dem Leben.

Da ich schon lange Federn sammele, bekomme ich zu diesem Thema eine ganze Reihe von Fragen. Hier möchte ich einige von ihnen beantworten.

Alles in der Natur unterliegt der Vergänglichkeit. So auch die Feder. Besonders die kleinen gefräßigen Krabbler haben es auf sie abgesehen. Motten (Kleine Nachtfalter), Federmilben und Käfer knabbern gern an ihnen herum, selbst Mäuse bauen aus den schönsten Federn kleine warme Nester.
Meine damalige Freundin hatte einen Hamster. Wie das bei solch niedlichen Tierchen gern mal vorkommt, nimmt man sie aus dem Käfig und – schwuppdiwupp! – machte sich der Vierbeiner in der Wohnung selbstständig. Drei Tage wurde er nicht gesehen, bis ich ihn fand, den bepelzten Banditen. Er fraß sich durch die Bananenkiste meiner Federsammlung und baute sich mit feinen Schleiereulen- und Waldkauzfedern ein kuscheliges Nest. Ich war begeistert!

Ich habe schon die verschiedensten Rezepte gehört, um Federn vor den gefräßigen Plagegeistern zu schützen. Einsalzen, einfrieren, im Backofen erhitzen …
Die gute Nachricht ist, dass die kleinen Plagegeister meist gut zu sehen sind und abgesammelt werden können. Die schlechte Nachricht ist, dass wenn man Federn nicht gut verpackt oder offen liegen lässt, sie über kurz oder lang zerfressen werden. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, loszulassen. Dinge kommen und gehen auch wieder.

Wenn du eine Einzelfeder hast, ist die Sache recht einfach: Schau sie dir genau an und suche nach dem Fressfeind.

Uhufedern

Handschwingen eines Uhus
Die feinen Löcher stammen von gefräßigen Motten

Milben: Sie sind die kleinsten Krabbler. Um sie braucht man sich keine Sorgen zu machen. Auch wenn welche da sind, gehen sie bald wieder. Sie brauchen nicht nur die Feder, die sie fressen, sondern auch den lebendigen Vogel, der die Federn mit „Federpflegemittel“ geschmeidig hält (Fette, Dunenpuder).
Ich streiche die Feder mit meinen Fingern ab, schaue, ob sich noch etwas regt und fertig. Mit Milben hatte ich noch nie Probleme.

Motten: Federmotten sind ein Dauerproblem. Sie brauchen immer wieder unsere volle Aufmerksamkeit. Besonders im Sommer, wenn die Motten ihre Flugzeit haben und nach leckeren Federn Ausschau halten. Die geflügelten Alttiere fressen keine Federn, nur die Larven. Die Larven bauen sich aus Federresten eine graue Schutzhülle in die sie sich bei Gefahr zurückziehen. Ist die Gefahr vorüber, strecken sie ihren kleinen Kopf wieder heraus und fressen munter weiter. Was man von den Federmotten an Federn findet, sind kleine 1 bis 10 mm lange und 0,5 bis 3 mm breite graue „Würstchen“, die sie aus Federteilchen zu einem Köcher zusammenkleben.

Käfer: Käfer verschiedener Arten fressen für gewöhnlich keine Federn, sondern nur Fleisch und Gewebe. Sie tauchen meist nur auf, wenn du Flügel hast oder ein fleischiger Geruch die Feder umgibt. Wie gesagt, sie fressen keine Federn, aber sie fressen sich durch Kartons und Plastiktüten, um an das Tropenfleisch zu gelangen. Durch die Fraßgänge kommen dann die Federmotten!
Gegen Käferfraß kann man sich nur schwer schützen. Vergiften hilft, aber wie gesagt, das Gift atmest auch du ein, wenn du mit den Federn hantierst. Räuchern und Lavendel- oder Zedernkissen helfen, aber nicht hundertprozentig. Wichtig: Wenn du Fraßgänge findest, direkt wieder verschließen, sonst kommen die Federmotten.

Was kann ich gegen Mottenfraß tun?

Mottenfraß Motten

Obere Reihe v.l Käferlarve, Larvenhülle und Käfer ( 6mm)
Untere Reihe v.l. Mottenlarve und zwei Federmotten

Motten lieben das Dunkle. Wenn du also eine Feder sorgfältig abgesammelt hast, ist sie erst einmal, auch wenn sie offen liegt, sicher. Liegt sie für längere Zeit flach im Regal, werden sie oft von der Unterseite her aufgefressen. Das Gleiche gilt für Blumenvasen bzw. „Federvasen“, in denen die Federn unten dicht gedrängt im Dunklen stehen. Die Lösung ist immer mal wieder nach Mottenbefall zu schauen und sie nicht für eine längere Zeit im Dunklen lassen. Räuchern ist gut, da die Motten die Federn nach dem Geruch finden. Mit Mottengift behandeln finde schlecht, da du das Zeug einatmest. Hast du mehrere Federn zusammen oder sogar einen ganzen Flügel, dann wird die Sache schwieriger. Wie gesagt, Federmotten lieben das Dunkle, die Zwischenräume, dort, wo wir nicht hinkommen oder hinsehen können, dort tummeln sie sich. Flügel sind über längere Zeit nur im „Safe“ zu schützen. Oder du sagst: So ist es, die Federn kommen zu mir und gehen auch irgendwann wieder. Die Federn/Flügel kannst du dann wieder raus in die Natur bringen.

Eine Rettungsaktion für befallende Flügel: eine Zeitlang Tiefgefrieren, oder in eine Plastiktüte stecken, dicht verschließen und in die pralle Sonne stellen. Die Federmotten erfrieren bzw. ersticken dann. Zum „Federsafe“ komme ich später.

Federn schützen: die Federsammlung

mottenfraß federn

Mottensicher
Zwergmöwenfedern in wiederverschließbare Tüten

Um Federn über einen längeren Zeitraum zu schützen, brauchst du eine gute Aufbewahrungsart, eine Art „Federsafe“. Ich verwende wiederverschließbare Plastiktüten. Sie sind durchsichtig und haben eine Druckleiste, die dicht verschließt. Solche Tüten benutzt man z. b. um Schmuck und Kleidungsstücke zu verpacken. Man bekommt sie in verschiedenen Größen im Bürobedarf oder bei Verpackungsfirmen. Sie nennen sich Druckverschlussbeutel. In diese Tüten stecke ich eine gräuliche Pappe hinein, damit sie erstens nicht knicken und zweitens heben sich aufgrund des Grautons der Pappe die feinen Weißtöne der Federn besser ab.
Jede Tüte wird dann beschriftet: Art, evtl. Geschlecht und Alter, Fundort, Datum und Besonderheiten. Die Tüten kommen bei mir in einen Bananenkarton. Wichtig: Der Deckel sollte über das Unterteil greifen, das macht den Karton dichter. Alle anderen Öffnungen wie Griffaussparungen und schadhafte Ecken werden mit Paketband zugeklebt. In den Karton noch Lavendel- oder Zedernkissen hinein und fertig ist der „Federsafe“. Den Karton kannst du gut öffnen und machst es gleichzeitig den Federmotten und Käfern schwer, an deine Schätze zu kommen. Hundertprozentig ist das nicht, aber mit diesem System habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Dann wünsche ich dir viel Erfolg!

Ralph Müller

 

 

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